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Zwei Punkte gilt es zu beachten, wenn Sie mit Ihren Briefen überzeugen wollen: Die Sprache muss ansprechend sein, und die Psychologie muss stimmen. Dieser Beitrag aus Der große Knigge beschäftigt sich mit der Sprache – und hier heißt die Devise: Vermeiden Sie alles, was umständlich wirkt! Die wichtigsten Punkte:
- Vermeiden Sie „-ung-Wörter“ (substantivierte Verben)
Erteilung, Bestätigung, Weiterleitung, Instandsetzung, Aufwertung, Beratung – was haben all diese Hauptwörter (Substantive) gemeinsam? Sie sind aus einem Zeitwort (Verb) hervorgegangen. Formulieren Sie Sätze mit solchen Wörtern um, indem Sie diese Begriffe in Verben zurückverwandeln. Der Satz wird dadurch nicht nur kürzer, sondern auch wesentlich schöner.
Schreiben Sie nicht:
- Einladung: Es ist so weit: Unser Schul-Musical kann zur Aufführung gelangen.
- Dankesbrief: Durch Ihren Vortrag erfuhr die Veranstaltung eine beträchtliche Aufwertung.
- Informationsbrief: Deine Idee, Max um Hilfe zu bitten, fand bei allen Beteiligten Zustimmung.
- Agenda: Die Begrüßung erfolgt um 9:30 Uhr durch den Leiter des Tagungszentrums, Dr. Franz Wohlgemut.
Schreiben Sie besser:
- Es ist so weit: Unsere Theater-AG wird das Schul-Musical aufführen.
- Ihr Vortrag wertete die Veranstaltung beträchtlich auf.
- Deiner Idee, Max um Hilfe zu bitten, stimmten alle Beteiligten zu.
- Um 9:30 Uhr wird Sie der Leiter des Tagungszentrums, Dr. Franz Wohlgemut, begrüßen.
- Dreschen Sie keine Bürokratenphrasen
Noch schlimmer als der Substantiv-Stil klingt der „Kanzlei-Stil“ - mit den typisch bürokratischen und unpersönlichen Floskeln. Streichen Sie alles, was nach Bürokratensprache klingt, aus Ihrer Korrespondenz. Bei der Formulierung hilft ein Trick: Stellen Sie sich vor, Sie müssten dem Empfänger am Telefon beschreiben, worum es geht. Schreiben Sie auf, was Sie ihm sagen würden, und schleifen Sie Ihren Text anschließend, damit er keine umgangssprachlichen Wendungen enthält.
Schreiben Sie nicht:
- Bewerbung: Bezugnehmend auf unser soeben geführtes Telefonat erhalten Sie hiermit meine Bewerbungsmappe zum Verbleib bei Ihren Unterlagen.
- Begleitschreiben: In der Anlage erhalten Sie die gewünschten Unterlagen mit der Bitte um Kenntnisnahme.
- Begleitschreiben: Beiliegend erhalten Sie …/ Beiliegend schicke ich …
- Stellungnahme: Bezüglich Ihrer Vorschläge habe ich noch einige Anmerkungen:
- Informationsschreiben: Der Plan soll umgehend in die Tat umgesetzt werden.
Schreiben Sie besser:
- Schön, dass Sie sich für meine Mitarbeit interessieren! Wie angekündigt, schicke ich Ihnen meine Bewerbungsmappe. Sie dürfen sie gern zu Ihren Unterlagen nehmen.
- Hier kommen die gewünschten Unterlagen. Bitte nehmen Sie sich Zeit, sie in Ruhe durchzuschauen.
- Hier kommen …/ Wie gewünscht, schicke ich Ihnen …/ Selbstverständlich bekommen Sie …
- Zu Ihren Vorschlägen möchte ich noch anmerken: …
- Wir wollen den Plan so schnell wie möglich in die Tat umsetzen.
- Verzichten Sie auf altmodische, unterwürfige Wendungen
Im Mittelalter versuchte die unterdrückte Landbevölkerung mit Unterwürfigkeit, die Herrschenden von Willkür und Grausamkeit abzuhalten. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Heute braucht sich niemand selbst zu verleugnen und sich hinter erstarrten Höflichkeitsfloskeln zu verstecken. Streichen Sie alles, was nach Unterwürfigkeit klingt, aus Ihrer Korrespondenz. Schlagen Sie stattdessen einen freundlichen, partnerschaftlichen Ton an.
Schreiben Sie nicht:
- Anrede: Sehr verehrte Frau Hofer,
- Kondolenzbrief: Zum Tod Ihres Gatten darf ich Ihnen meine aufrichtige Anteilnahme bekunden.
- Angebot: Hiermit erlaube ich mir, Ihnen folgendes Angebot zu unterbreiten: …
- Bittbrief: Wir möchten Sie und Ihre Gattin/Gemahlin dringlichst ersuchen …
- Grußformel: Mit vorzüglicher Hochachtung, Hochachtungsvoll, Höflichst
Schreiben Sie besser:
- Sehr geehrte Frau Hofer, Guten Tag, Frau Hofer, Liebe Frau Hofer,
- Am Tod Ihres Mannes nehme ich aufrichtig Anteil.
- Ihr Interesse an meinen Leistungen freut mich! Gern mache ich Ihnen ein Angebot: …
- Wir bitten Sie und Ihre Frau …
- Mit freundlichen Grüßen, Mit besten Grüßen, Mit freundlichen Grüßen aus/nach …
- Verwenden Sie möglichst keine Fachbegriffe und Anglizismen
Widerstehen Sie dem Versuch, sich durch den Gebrauch von Fachbegriffen und Anglizismen, also Wörtern aus dem Englischen, als Fachmann oder -frau hervorzutun. Sie erreichen damit in der Regel das Gegenteil. Das beweist dieser Auszug aus einer (echten!) Messe-Einladung:
Negativbeispiel: Wie Anglizismen und Fachbegriffe wirken
Sehr geehrter Herr Schäfer, wir freuen uns, Ihnen heute die erste Ausgabe der ■■■-NEWS im neuen Outfit präsentieren zu dürfen. In diesen NEWS erfahren Sie alles Wissenswerte zum Relaunch der ■■■. So wurden nicht nur ein neues Key-Visual und ein neuer Claim entwickelt, auch inhaltlich hat sich viel bewegt. […]
Unter www.■■■■■■.de finden Sie alle Informationen zum Call-for-Papers für das Kongressprogramm.
Mit freundlichen Grüßen
Als gedankenlos, lächerlich oder gar arrogant empfanden 22 Menschen diesen Brief, die der Empfänger dieser Einladung irritiert nach ihrer Meinung befragte. Alle Befragten hatten Abitur und solide Englischkenntnisse. Trotzdem konnten sie über die Bedeutung von Relaunch (Neustart), Key-Visual (Logo), Claim (Leitmotiv) und Call-for-Papers (Abgabe der Informationen, die im Programmheft abgedruckt werden sollen) nur spekulieren. Der Verfasser hatte also seine Absicht, als Kenner zu glänzen, völlig verfehlt. Seine Botschaft wurde überhaupt nicht verstanden!
Vermeiden Sie also technische Ausdrücke, Fachsprache und Anglizismen, die nicht zum allgemeinen Sprachgebrauch gehören. Schließlich soll der Empfänger Sie verstehen!
- Bleiben Sie im Sprachbild
Als „Seifenblasen, die, wenn man ihnen auf den Zahn fühlt, in der Sonne schmelzen“, beschreibt der Sprachkenner Eike Christian Hirsch in seinem Buch „Deutsch für Besserwisser“ humorvoll solche Sprachbilder, die nicht zueinander passen: Einer Seifenblase kann man weder auf den Zahn fühlen, noch schmilzt sie; sie platzt höchstens … Vorsicht auch bei den folgenden Wendungen:
Falsch:
- Einladung: Wir wollen das Thema Gesundheitsvorsorge aufs Tablett bringen.
- Dankesbrief: Wir haben die Feier noch einmal Resümée passieren lassen.
- Informationsschreiben: Unsere Absicht wurde gegen den Strich gebügelt.
Richtig:
- Wir wollen das Thema Gesundheitsvorsorge aufs Tapet bringen. (Tapet = Verhandlungstisch)
- Wir haben die Feier noch einmal Revue passieren lassen.
- Unsere Absicht wurde gegen den Strich gebürstet.
Lesen Sie hier den ersten Teil:
Mit einer einfachen Sprache zu einem guten Briefstil (Teil 1)
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