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Wie Sie bei der privaten Nutzung von Firmenwagen alle steuerlichen Klippen betriebsprüfungssicher umfahren


Firmenwagen, Geschäftswagen, Firmenauto, GeschäftsautoBei Selbstständigen und Kleinunternehmern ist die Nutzung des Firmenwagens auch für private Fahrten regelmäßig ein Prüfungsschwerpunkt im Rahmen von Betriebsprüfungen. Das zeigen auch die zahlreichen Fragen von Lesern des Praxishandbuch Buchführung und Steuern für Freiberufler und Kleinunternehmer in der Redaktions-Sprechstunde.

Wie Sie mit Ihren Firmen- und Privatwagen in typischen Praxisfällen immer betriebsprüfungssicher fahren und sich die Gestaltungsmöglichkeiten neuester Urteile der Finanzgerichte zunutze machen, lesen Sie in diesem Beitrag aus dem Praxishandbuch Buchführung und Steuern für Freiberufler und Kleinunternehmer

Warum es immer wieder Ärger mit dem Finanzamt gibt

Das Finanzamt geht davon aus, dass Sie Ihren Firmenwagen – auch einen Zweit- oder sogar Drittwagen, der über Ihre Firma läuft – auch privat nutzen. Deshalb dürfen Sie die Kosten für den Firmenwagen nur in Ausnahmefällen einfach komplett als Betriebsausgabe absetzen.

Wie Sie Ihr Fahrzeug richtig zuordnen

Sie müssen die Kosten immer in einen betrieblichen und in einen privaten Anteil aufspalten. Dabei unterscheiden Sie diese beiden Fälle:

  • Zuordnung zum Betriebsvermögen

Das Fahrzeug ist dem Betriebsvermögen zugeordnet wie andere bewegliche Wirtschaftsgüter auch (z. B. der Bürorechner, der Schreibtisch etc.). Nutzen Sie das Fahrzeug zu mehr als 50 % für betriebliche Zwecke, handelt es sich um notwendiges Betriebsvermögen. Bei einer Nutzung von mindestens 10 bis zu 50 % entscheiden Sie, ob Sie das Fahrzeug Ihrem Betriebsvermögen zuordnen wollen. Falls ja, handelt es sich dann um gewillkürtes Betriebsvermögen.

Ob notwendiges oder gewillkürtes Betriebsvermögen: In jedem Fall machen Sie alle Fahrzeugkosten (Abschreibung oder Leasingkosten, Benzin- und Reparaturkosten, Versicherung usw.) als Betriebsausgaben geltend.

Folge: Die private Nutzung des Firmenwagens stellt eine Privatentnahme dar. Den privaten Anteil der Nutzung verbuchen Sie als Einnahme.

  • Zuordnung zum Privatvermögen

Ein Fahrzeug, das Sie zu mehr als 90 % privat nutzen, gehört in vollem Umfang zum Privatvermögen. Gleiches gilt, wenn Sie das Fahrzeug zwischen 10 und 50 % betrieblich nutzen und Sie es dem Privatvermögen zuordnen. In diesen Fällen sind alle Kosten, die im Zusammenhang mit Ihrem Fahrzeug entstehen, zunächst einmal Ihre Privatsache. Für jeden betrieblich gefahrenen Kilometer können Sie dann aber in Ihrer Einnahmen-Überschuss-Rechnung anteilig Kosten als Betriebsausgabe absetzen.

Fazit: Fahren Sie ein Fahrzeug, das Sie zu mehr als 50 % betrieblich nutzen, auch privat, ist ein privater Nutzungsanteil als Entnahme anzusetzen. In bestimmten typischen Fällen unterstellt das Finanzamt eine überwiegende betriebliche Nutzung. Das ist bei allen Selbstständigen der Fall, bei denen sich aus der Art und dem Umfang ihrer Tätigkeit ergibt, dass das Fahrzeug zu mehr als 50 % betrieblich genutzt wird.

Beispiel aus dem Praxishandbuch Buchführung und Steuern für Freiberufler und Kleinunternehmer:

Es liegt eine betrieblich bedingte typische Reisetätigkeit vor. Das ist etwa bei folgenden Selbstständigen der Fall:

  • Handelsvertreter mit großem Geschäftsbezirk
  • Handwerker im Bau- und Baunebengewerbe
  • Landtierärzte
  • mobile Pflegekräfte im Hauspflegedienst
  • Physiotherapeuten, die in großem Umfang Hausbesuche tätigen
  • Taxiunternehmer

Sind mehrere Fahrzeuge vorhanden, gilt die vorgenannte Vermutung lediglich für das Fahrzeug mit der höchsten jährlichen Kilometerleistung. Für die anderen Fahrzeuge muss die überwiegend betriebliche Nutzung nachgewiesen oder glaubhaft gemacht werden.

Privatanteil ermitteln: Unterscheiden Sie diese Abrechnungsarten

Wie sich die unterschiedlichen Abrechnungsarten steuerlich auswirken, zeigen die folgenden Fallkonstellationen:

Sie zeichnen die betrieblich gefahrenen Kilometer auf

Voraussetzung dafür ist, dass sich Ihr Fahrzeug im Privatvermögen befindet. Konkret führen Sie eine einfache Aufstellung der betrieblichen Fahrten mit Angaben zu folgenden Details:

  • Datum, Start/Ziel und Anlass der Fahrt sowie
  • Anzahl der gefahrenen Kilometer.

Zu den betrieblichen Fahrten zählen nicht nur die eigentlichen Geschäftsreisen (z. B. Kundenakquise, Kundenbesuche und Treffen mit Geschäftspartnern), sondern etwa auch Fahrten zur Postfiliale, zur Bank, zum Büroartikelmarkt.

Einschlägige gesetzliche Regelungen fehlen

Konkrete gesetzliche Vorgaben zum Nachweis der betrieblichen Nutzung gibt es nicht. Das Finanzamt erwartet einen Nachweis „in geeigneter Form“ (BMF, Schreiben vom 18.11.2009, Az. IV C 6 – S 2177/07/10004 – 2009/ 0725394). Als Abrechnungsunterlagen kommen unter anderem in Betracht:

  • Eintragungen in Terminkalendern
  • Abrechnungen gefahrener Kilometer gegenüber den Auftraggebern
  • Reisekostenaufstellungen

Alternativ kann die betriebliche Nutzung durch formlose Aufzeichnungen über einen repräsentativen zusammenhängenden Zeitraum (in der Regel 3 Monate) glaubhaft gemacht werden.

Dabei reichen Angaben über die betrieblich gefahrenen Fahrten (jeweiliger Anlass und die jeweils zurückgelegte Strecke) sowie die Kilometerstände zu Beginn und Ende des Aufzeichnungszeitraums aus.

Beispiel: Aufzeichnung der betrieblich gefahrenen Kilometer

Datum

Start/Ziel der Fahrt

Anlass

Gefahrene km

02.09.20**

Wohnung – Kleinstadt, Marktgasse 9

Kundenbesuch

34

08.09.20**

Wohnung – Postfilliale Kreisstadt

Briefmarkenkauf

18

08.09.20**

Postfilliale – Kreisstadt, Hauptstraße 79 – Wohnung

Einkauf im Büromittelmarkt

17

15.09.20**

Wohnung – Mittelstadt, Gartenweg 32 – Wohnung

Kundenbesuch

48

23.09.20**

Wohnung – Kleinstadt, Bahnhofstraße 82 – Wohnung

Abholung der neuen Überweisungsträger mit vorgedruckten Daten

22

 Fahrtenbuch ist nicht erforderlich

Die Privatfahrten brauchen Sie überhaupt nicht aufzuzeichnen – es handelt sich also nicht um ein aufwändiges, echtes Fahrtenbuch. Pro betrieblich gefahrenen Kilometer können Sie dann eine Pauschale von 0,30 € geltend machen, die Sie in Ihrer Einnahmen-Überschuss-Rechnung als Betriebsausgabe absetzen.

Alternativ können Sie die betrieblich gefahrenen Kilometer auf der Basis der Gesamtkosten des Fahrzeugs geltend machen. Die Gesamtkosten sind die Summe der Nettoaufwendungen zuzüglich Umsatzsteuer und Abschreibung.

Praxis-Tipp aus dem Praxishandbuch Buchführung und Steuern für Freiberufler und Kleinunternehmer: Diese Abrechnungsart lohnt sich vor allem dann, wenn Sie sehr wenig betrieblich mit dem Wagen unterwegs sind. Die 0,30-€-Pauschale pro Kilometer setzen Sie aber nur bei sehr sparsamen, billigen Fahrzeugen an. Bei teureren Wagen ermitteln Sie die tatsächlichen Kosten Ihres Fahrzeugs für das komplette Jahr und teilen dann diese durch die gefahrenen Kilometer.

Sie entscheiden sich für eine pauschale Aufteilung der Kosten

Das ist möglich, wenn sich Ihr Fahrzeug im Betriebsvermögen befindet und zu 10 bis 50 % betrieblich genutzt wird. Und so gehen Sie vor: Sie ermitteln einmalig über einen repräsentativen Zeitraum von 3 Monaten, wie sich die private und die berufliche Nutzung aufteilt.

Dazu halten Sie folgende Daten fest:

  • die Gesamtzahl der gefahrenen Kilometer in diesen 3 Monaten und
  • alle betrieblichen Fahrten mit Kilometerzahl, Datum und Anlass. Zu den betrieblichen Fahrten zählen neben den Geschäftsreisen auch die Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte sowie die Familienheimfahrten bei doppelter Haushaltsführung.

Aus Ihrer Aufstellung ergibt sich die genaue prozentuale Aufteilung. Alle Fahrzeugkosten setzen Sie in Ihrer Einnahmen-Überschuss-Rechnung als Betriebsausgabe ab. Den privaten Anteil setzen Sie gleichzeitig als (fiktiven) Gewinn an.

Beispiel: Sie haben vom 1.7. bis 30.9.20** alle betrieblichen Fahrten mit dem Fahrzeug aufgezeichnet. Sie sind insgesamt 4.320 km gefahren. Laut Ihren Aufzeichnungen entfallen auf

Geschäftsreisen
(16,5 %)
713 km
Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte 972 km (22,5 %)
1.685 km
(39,0 %)
Die Differenz zu 4.320 km sind Privatfahren
2.635 km (61,0 %)

Fazit: Im repräsentativ ausgewählten Zeitraum entfällt die Fahrzeugnutzung zu 39 % auf betriebliche Fahrten. Das bedeutet, dass Sie Ihre Fahrzeugkosten fortan pauschal zu 39 % als Betriebsausgaben geltend machen. Oder anders herum: 61 % Ihrer Fahrzeugkosten können Sie steuerlich nicht berücksichtigen.

Praxis-Tipp aus dem Praxishandbuch Buchführung und Steuern für Freiberufler und Kleinunternehmer: Die pauschale Aufteilung bietet sich an, wenn die betriebliche Nutzung zwischen 10 und 50 % liegt. Denn den repräsentativen 3-Monats-Zeitraum können Sie frei wählen. Es kann nicht zu Ihrem Nachteil ausgelegt werden, wenn in dieser Zeit zufällig mehrere Geschäftsreisen angefallen sein sollten.

Sie führen ein Fahrtenbuch

Wenn Sie Ihren Wagen zu mehr als 50 % betrieblich nutzen, haben Sie die Wahl zwischen der Anwendung der 1-%-Regelung und dem Führen eines Fahrtenbuchs.

Sofern Sie kein elektronisches Fahrtenbuch führen: Ein Fahrtenbuch ist nur dann ordnungsgemäß, wenn Sie zeitnah, also möglichst nach jeder Fahrt, in einem gebundenen Buch, das nachträglich nicht geändert werden kann, alle Daten zu jedem gefahrenen Kilometer festhalten.

Dazu fordert das Finanzamt folgende Angaben:

  • amtliches Kennzeichen des Fahrzeugs
  • Datum der Fahrt
  • Kilometerstand am Beginn und am Ende jeder dienstlichen Fahrt
  • Reiseziel (bei Umwegen Reiseroute)
  • Reisezweck und Gesprächspartner
  • bei Privatfahrten genügt die Angabe der Kilometer (zur besseren Übersicht sollten Sie aber auch den Kilometerstand zu Beginn und am Ende der Fahrt angeben)
  • für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb und für Familienheimfahrten bei doppelter Haushaltsführung genügt ebenfalls ein kurzer Vermerk

Auf diese Art und Weise ermitteln Sie für jedes Jahr den genauen Anteil der privaten und betrieblichen Kilometer und teilen die Kosten entsprechend in Ihrer Einnahmen-Überschuss-Rechnung auf.

Praxis-Tipp aus dem Praxishandbuch Buchführung und Steuern für Freiberufler und Kleinunternehmer: Das Führen eines Fahrtenbuchs ist oftmals steuerlich günstiger als die 1-%-Methode.

Doch Vorsicht: Das Führen eines ordnungsgemäßen Fahrtenbuchs erfordert Arbeit und Genauigkeit. Betriebsprüfer nehmen Fahrtenbücher besonders genau unter die Lupe. Entdecken sie auch nur kleine Fehler oder Ungereimtheiten, wird das Fahrtenbuch oftmals komplett verworfen. Das ist allerdings nicht zulässig. Denn ein Fahrtenbuch kann auch bei kleinen Mängeln noch als ordnungsgemäß anerkannt werden, hat der Bundesfinanzhof entschieden (Urteil vom 10.4.2008, Az. VI R 38/06).

Sie rechnen nach der 1-%-Methode ab

Verzichten Sie auf das Führen eines Fahrtenbuchs, setzen Sie monatlich 1 % des Bruttolistenpreises Ihres Fahrzeugs als Privatanteil an.

Es gilt der Listenpreis zum Zeitpunkt der Erstzulassung inklusive Sonderausstattung und Umsatzsteuer (auch wenn Sie den Wagen gebraucht gekauft haben). 

Beispiel: Der Bruttolistenneupreis beträgt 25.000 , davon 1 % ergibt 250 € monatlich und 3.000 € jährlich. In der Einnahmen- Überschuss-Rechnung setzen Sie dann diese 3.000 als Einnahme und die tatsächlich entstandenen Fahrzeugkosten als Betriebsausgabe an.

Praxis-Tipp aus dem Praxishandbuch Buchführung und Steuern für Freiberufler und Kleinunternehmer: Die 1-%-Methode kann steuerlich günstiger sein, wenn Sie einen neuen, nicht abgeschriebenen Firmenwagen fahren und vergleichsweise viel privat unterwegs sind (bei einem Umfang der Privatnutzung von 35 bis 50 %).

1. Fall: Der Firmenwagen kann gar nicht privat genutzt werden

Eine Privatentnahme kommt nur in Betracht, wenn der Firmenwagen privat genutzt werden kann. Bei Pkw-Limousinen ist das zweifelsfrei der Fall, nicht aber bei Werkstattwagen (BFH, Urteil vom 18.12.2008, Az. VI R 34/07).

Beispiel: Sie haben einen Hausmeister-Service. Was Sie im Allgemeinen an Geräten und Material benötigen, um die Aufträge ausführen zu können, ist in Ihrem Firmenwagen, einem 2-sitzigen Kastenwagen, verstaut. Dessen fensterlosen Aufbau haben Sie mit Materialschränken und -fächern sowie mit Ablageflächen und Halterungen für Werkzeug und Elektrogeräte ausgestattet und mit einer auffälligen Werbung beschriften lassen.

Bei diesem Fahrzeug handelt es sich um einen sogenannten Werkstattwagen. Bereits aus der Bauart und der Ausstattung des Fahrzeugs ergibt sich, so die BFH-Richter, dass ein solches Fahrzeug typischerweise nicht für private Zwecke eingesetzt wird.

Die Folge ist, dass eine Privatentnahme wegen privater Fahrten entfällt. Lediglich die Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte müssen steuerlich in Ansatz gebracht werden – und das auch nur dann, wenn der Hausmeister-Service nicht von zu Hause aus, sondern von einer außerhäuslichen Betriebsstätte geführt wird.

Das Finanzamt kann im Einzelfall nach wie vor davon ausgehen, dass ein Werkstattwagen privat mitbenutzt wird und die 1-%-Regelung deshalb Anwendung findet.

Aber: Nach der oben genannten Entscheidung des BFH, dass solche Wagen typischerweise nicht für private Zweck eingesetzt werden, muss das Finanzamt die private Mitbenutzung des Werkstattwagens eindeutig und unmissverständlich beweisen. Das bisherige Argument des Finanzamts, dass auch Werkstattwagen im Allgemeinen privat mitbenutzt werden und deshalb kein Unterschied zu Pkw-Limousinen besteht, lassen die BFH-Richter ausdrücklich nicht mehr gelten.

Zahlreiche Selbstständige aus dem Handwerks- und Dienstleistungsbereich fahren einen Pkw-Kombi. Den Kofferraum ihres Fahrzeugs haben sie komplett durch ihre jeweiligen Arbeits- und Werbemittel in Beschlag genommen, sodass er nicht mehr anderweitig nutzbar ist. Das reicht nicht, um von einem Werkstattwagen auszugehen.

2. Fall: „Ich nutze den Firmenwagen doch gar nicht privat“

Im Rahmen der Redaktions-Sprechstunde des Praxishandbuch Buchführung und Steuern für Freiberufler und Kleinunternehmer berichten Leser immer wieder darüber, dass das Finanzamt – meist im Anschluss an eine Betriebsprüfung – die private Nutzung des Firmenwagens (Pkw-Limousine) einfach unterstellt habe, und fragen, ob das denn überhaupt zulässig sei. Denn: „Ich nutze den Firmenwagen doch gar nicht privat.“

Generell gilt: Das Finanzamt muss alle steuerbegründenden Tatsachen nachweisen. Soll die private Nutzung des Firmenwagens steuerlich erfasst werden, setzt das dann auch voraus, dass das Finanzamt Ihnen die Privatfahrten nachweisen muss – eigentlich.

Tatsächlich kann es sich das Finanzamt ziemlich einfach machen. Denn bei Privatfahrten mit dem Firmenwagen gilt der sogenannte Anscheinsbeweis.

Das bedeutet: Das Finanzamt darf bei Pkw-Limousinen davon ausgehen, dass sie privat mitbenutzt werden, weil es der allgemeinen Lebenserfahrung entspricht. Dass das Finanzamt dazu berechtigt ist, haben die BFH-Richter in der oben erwähnten Entscheidung noch einmal ausdrücklich bestätigt.

Beispiel: Der selbstständige Immobilienmakler fährt mit seinem betrieblichen Audi A8 zu seinen geschäftlichen Terminen. Außerdem nutzt er dieses Fahrzeug für seine Fahrten zwischen Wohnung und Büro. Ein Fahrtenbuch oder sonstige Aufzeichnungen führt er nicht. Er verfügt auch nicht über einen Privatwagen.

Allein mit dem Argument, er nutze seinen Firmenwagen gar nicht privat, kann er nicht verhindern, dass das Finanzamt eine private Mitbenutzung unterstellt und die Privatfahrten nach der 1-%-Methode steuerlich berücksichtigt. Er müsste schon konkrete Fakten nennen, um zu beweisen, dass das Fahrzeug tatsächlich nur betrieblich genutzt wird. Da er nicht über ein anderweitiges Fahrzeug verfügt, könnten ihm nur lückenlose Aufzeichnungen aller Fahrten mit dem Firmenwagen helfen.

„Schlechte Karten“ haben Sie auch dann, wenn es sich beim Firmenwagen zwar nicht um eine Pkw-Limousine, sondern um einen Geländewagen handelt. Diese Fahrzeuge eignen sich in besonderer Weise für Sport und Freizeit. Deshalb gilt auch in diesen Fällen: Können Sie nicht detailliert nachweisen, dass eine auch private Nutzung des Firmenwagens auszuschließen ist, darf das Finanzamt eine private Mitbenutzung unterstellen (BFH, Urteil vom 13.2.2003, Az. X R 23/01).

3. Fall: Ihnen stehen zusätzlich ein oder mehrere Privatfahrzeuge zur Verfügung

„Wir besitzen privat ein weiteres Fahrzeug, das wir für unsere privaten Fahrten nutzen. Wir sind privat also gar nicht auf den Firmenwagen angewiesen.“ Dieser Einwand kommt ebenfalls sehr häufig vor.

Anforderungen an den Privatwagen

Generell ist das Vorhandensein eines weiteren Fahrzeugs geeignet, den Anscheinsbeweis der privaten Mitbenutzung des Firmenwagens zu entkräften. Doch allein das Vorhandensein dieses weiteren Fahrzeugs führt noch nicht dazu, dass Privatfahrten mit dem Firmenwagen auszuschließen sind. Es muss auch das „richtige“ Fahrzeug sein, über das Sie privat verfügen.

Beispiel: Sie sind selbstständiger IT-Dienstleister und fahren einen Audi A6. Ihr Ehegatte fährt einen Pkw VW Polo, der auf ihn zugelassen ist. Sie erklären dem Finanzamt gegenüber, dass Sie den Wagen Ihres Ehegatten ebenfalls privat nutzen, um z. B. am Wochenende Ausfahrten zu unternehmen, zum Sport zu fahren oder einzukaufen.

Seien Sie auf diese Reaktion des Finanzamts vorbereitet

Die Wahrscheinlichkeit, dass das Finanzamt gleichwohl Privatfahrten mit den Firmenwagen unterstellen wird und damit auch vor dem Finanzgericht „durchkommt“, ist sehr hoch. Denn nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs ist der Anscheinsbeweis der privaten Mitbenutzung des Firmenwagens nur dann erschüttert, wenn ein vergleichbares Privatfahrzeug zur Verfügung steht.

Ob ein anderes Fahrzeug dem Firmenwagen vergleichbar ist, entscheiden die Finanzgerichte anhand dieser Kriterien: Status, Gebrauchswert und Laufleistung (BFH, Urteil vom 7.11.2006, Az. VI R 19/05; Urteil vom 19.5.2009, Az. VIII R 60/06). Für das vorgenannte Beispiel hat dies zur Folge, dass die Vergleichbarkeit bereits am Kriterium „Status“ scheitert. Ein Pkw VW Polo ist in dieser Hinsicht mit einem Pkw Audi A8 nicht vergleichbar.

Dass Sie privat möglicherweise auf jedwede Annehmlichkeit bei Autofahrten verzichten können „und“ – so ein ebenfalls häufiger Einwand – „sowieso mit Bahn und Bus und ansonsten mit dem Fahrrad unterwegs“ sind, hilft Ihnen argumentativ nicht weiter. Vielmehr greift in diesen Fällen wieder der Anscheinsbeweis, dass der Firmenwagen auch privat genutzt wird.

Typisch für die Streitfälle mit dem Finanzamt ist auch folgendes Beispiel:

Beispiel: Ein Freiberufler nutzt als Firmenwagen eine Luxus-Limousine, etwa einen Pkw MB S 320. Für private Zwecke erwirbt er einen gebrauchten Opel Omega. Sein Ehegatte fährt einen Opel Corsa.

Bei diesem Beispiel handelt es sich um einen Fall, der letztlich durch den Bundesfinanzhof entschieden wurde. Auch hier haben die BFH-Richter maßgeblich auf die Kriterien Status und Gebrauchswert abgestellt.

Annähernde Gleichwertigkeit der Fahrzeuge reicht

Zugleich haben die BFH-Richter aber auch betont: Es muss sich bei dem Firmenwagen und dem weiteren privat genutzten Fahrzeug nicht zwingend um (absolut) gleichwertige Fahrzeuge handeln. Und: Der für die Privatnutzung des Firmenwagens sprechende Anscheinsbeweis ist umso leichter zu erschüttern, je geringer die Unterschiede zwischen den Fahrzeugen ausfallen. In 1. Instanz hatten die Finanzrichter argumentiert, das Privatfahrzeug sei dem Firmenwagen des Freiberuflers „evident nicht gleichwertig“. Den Einwand des Freiberuflers, der Opel Omega sei dem Mercedes-Benz „in Leistung und Ausstattung sogar überlegen“, berücksichtigten sie nicht. Auch seinem weiteren Hinweis, dass außer seinem Ehegatten (mit eigenem Auto) keine weiteren erwachsenen Angehörigen in seinem Haushalt leben, ließen die Finanzrichter unbeachtet.

Finanzamt muss Ihre Einwände sorgfältig prüfen

So geht es nicht, entschieden die BFH-Richter. Wenn ein Selbstständiger einen konkreten Sachverhalt darlegt, der – wenn er bewiesen werden kann – den Anscheinsbeweis aus den Angeln hebt, dann müssen Finanzverwaltung und Finanzgerichte dem nachgehen. Auf keinen Fall dürfen sie solche konkreten Einwände einfach übergehen.

Praxis-Tipp aus dem Praxishandbuch Buchführung und Steuern für Freiberufler und Kleinunternehmer:
  • Gerade auch diese Entscheidung zeigt, wie wichtig es ist, dem Finanzamt bei Vorliegen der Voraussetzungen nicht nur mitzuteilen, dass privat ein anderes Fahrzeug zur Verfügung steht. Schildern Sie vielmehr detailliert, dass und warum es dem Firmenwagen gleichwertig ist.
  • Das gilt erst recht dann, wenn der Privatwagen nach seinem Status tatsächlich oder vermeintlich geringwertiger ist. In diesem Zusammenhang können selbst einzelne Ausstattungsmerkmale an Bedeutung gewinnen, wie etwa komplett rückklappbare Rücksitze – z. B. dann, wenn Sie privat darauf angewiesen sind, häufig Ihre Sportausrüstung zu transportieren, dies nur bei rückklappbaren Sitzen möglich ist und diese Gelegenheit nur der vom Status her geringerwertige Privatwagen bietet.
  • Achten Sie außerdem auch auf die Laufleistung des privaten Pkw. Können Sie diese nicht nachweisen, stehen Sie im Ergebnis nicht anders da, als wenn Sie nur behaupten, privat ausschließlich mit dem Privatwagen gefahren zu sein. Damit gelingt es Ihnen nicht, den Anscheinsbeweis der privaten Mitbenutzung des Firmenwagens zu erschüttern. Legen Sie Werkstattrechnungen vor, aus denen sich der jeweilige Kilometerstand des Fahrzeugs ergibt, z. B. aus Anlass einer Wartung, einer Reparatur oder eines Reifenwechsels im Frühjahr bzw. im Herbst. 

4. Fall: Ihre Angehörigen wollen den Privatwagen auch fahren

Selbst wenn Sie einen Privatwagen haben, der Ihrem Firmenwagen gleichwertig ist, müssen Sie damit rechnen, dass das Finanzamt den Anscheinsbeweis der privaten Mitbenutzung des Firmenwagens nicht als erschüttert ansieht.

Dann nämlich, wenn in Ihrem Haushalt weitere Angehörige leben, die eine Fahrerlaubnis besitzen.

Praxis-Tipp aus dem Praxishandbuch Buchführung und Steuern für Freiberufler und Kleinunternehmer:
  • Es macht keinen Sinn zu versuchen, das Finanzamt davon zu überzeugen, dass ausgerechnet der eigene Ehegatte und die eigenen Kinder ihre Fahrerlaubnis „in den Wind schreiben“ und überzeugte Fahrradfahrer und Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs sind. Die Annahme, dass alle Familienmitglieder mit Führerschein den Privatwagen auch nutzen, wenn auch in unterschiedlicher Intensität, entspricht der allgemeinen Lebenserfahrung.
  • Bedenken Sie außerdem auch: Wer sich dazu verleiten lässt, dem Finanzamt eine durchsichtige „Geschichte“ aufzutischen, kratzt an seiner Glaubwürdigkeit. Sie müssen damit rechnen, dass das Finanzamt auch in anderen Zusammenhängen Ihre Angaben anzweifelt und Sie so völlig unnötige und möglicherweise sehr arbeitsintensive Nachfragen des Finanzamts auslösen.
  • Eine gute Aussicht, den Anscheinsbeweis zu erschüttern, haben Sie nur dann, wenn Sie nachweisen, dass jeder Angehörige mit Fahrerlaubnis über ein eigenes Fahrzeug verfügt.


Beispiel: Auf dem häuslichen Grundstück steht nicht nur Ihr Privatwagen. Auch das Fahrzeug Ihres Ehegatten, das idealerweise auf seinen Namen zugelassen ist und das Ihrem Firmenwagen zumindest annähernd gleichwertig ist, steht in der Privatgarage. Sohn und Tochter, die in der Ausbildung sind bzw. studieren und beide noch zu Hause wohnen, haben jeweils einen eigenen kleinen „Flitzer“. 

Praxis-Tipp aus dem Praxishandbuch Buchführung und Steuern für Freiberufler und Kleinunternehmer: Benennen Sie dem Finanzamt die amtlichen Kennzeichen und die Laufleistungen der einzelnen Fahrzeuge. Das dürfte zunächst genügen. Es macht sich natürlich aber immer gut, diese Erklärung mit stichwortartigen Hinweisen darauf zu verbinden, wie der jeweilige Familienangehörige sein Fahrzeug hauptsächlich nutzt (z. B. Fahrt zur Arbeits-/Ausbildungsstätte, bei Sportausübung Fahrten zum Training und zu den Mannschaftsspielen, Ausflüge, Einkaufsfahrten).

Privatwagen muss Ihren Familienangehörigen tatsächlich zur Verfügung stehen

Steht dagegen privat nur ein Fahrzeug zur Verfügung, das sich alle Familienangehörigen teilen, wird es schwierig werden, den Anscheinsbeweis der privaten Mitbenutzung Ihres Firmenwagens zu erschüttern. Das gelingt Ihnen allenfalls dann, wenn Sie darlegen und nachweisen können, dass der Privatwagen den Familienangehörigen tatsächlich zur Verfügung stand und die Nutzungsbedürfnisse der einzelnen Familienmitglieder erfüllt werden konnten.

Praxis-Tipp aus dem Praxishandbuch Buchführung und Steuern für Freiberufler und Kleinunternehmer: Schildern Sie dem Finanzamt, welche Familienangehörigen über eine Fahrerlaubnis verfügen, außerdem deren Nutzungsbedürfnis und vor allem natürlich auch das Nutzungsverhalten der einzelnen Familienangehörigen.

Beispiel: Schildern Sie lebensnah, wie Ihr Ehegatte, Ihre Kinder und Sie selbst den Privatwagen zu bestimmten Zeiten nutzen (Einkauf, Sport, Ausflüge). Sofern es regelrecht einen wöchentlichen oder monatlichen Nutzerplan für den Privatwagen gibt, aus dem ersichtlich ist, zu welcher Tageszeit welcher Familienangehöriger den Privatwagen nutzt, legen Sie diesen dem Finanzamt vor.

Wenn Ihre Familienmitglieder neben dem Privatwagen zusätzlich auch öffentliche Verkehrsmittel nutzen, weisen Sie ausdrücklich darauf hin und heben Sie die Fahrscheine auf. Gleiches gilt, wenn einzelne Familienmitglieder z. B. auf dem Weg zur Arbeit von Arbeitskollegen mitgenommen werden.

Führen Sie auch aus, wie die Nutzung des Privatwagens geregelt ist, wenn mehrere Angehörige gleichzeitig mit dem Privatwagen fahren wollen – wie Sie es also erreichen, dass der Firmenwagen auch in diesen Fällen nicht genutzt werden muss.

Praxis-Tipp aus dem Praxishandbuch Buchführung und Steuern für Freiberufler und Kleinunternehmer: Je größer der Nutzerkreis innerhalb der Familie ist, desto schwieriger und vor allem auch unrealistischer wird es, privat auf die Nutzung des Firmenwagens verzichten zu können. Das wissen auch die Sachbearbeiter im Finanzamt. Begeben Sie sich deshalb nicht unnötige auf argumentatives Glatteis!

5. Fall: Ihr Ehegatte verfügt über einen eigenen Dienstwagen

Dass Sie eine reelle Chance haben, den Anscheinsbeweis der privaten Mitbenutzung des Firmenwagens zu widerlegen, zeigt ein Fall, den das Finanzgericht Hessen entschieden hat (Urteil vom 10.2.2011, Az. 1 K 1679/10).

Beispiel: Der Ehemann ist mit einem Hausmeister-Service selbstständig tätig und fährt einen Pkw Citroën Berlingo. Die Ehefrau erzielt Einkünfte aus nichtselbstständiger Tätigkeit. Ihr wurde von ihrem Arbeitgeber ein Pkw BMW 530 zur Verfügung gestellt, den sie auch privat mitbenutzen darf. Der Arbeitgeber trägt sämtliche Fahrzeugkosten einschließlich der Benzinkosten.

Bei diesem Beispiel handelt es sich um den vom Finanzgericht Hessen entschiedenen Fall. Das Finanzamt setzte eine gewinnerhöhende Privatnutzung des Citroën Berlingo in Höhe von monatlich 1 % des Bruttolistenpreises an. Dagegen wehrten sich die Eheleute erfolgreich. Ihr Vorgehen ist ein gutes Beispiel dafür, wie Sie durch die lebensnahe Schilderung der tatsächlichen Verhältnisse zu Ihren Gunsten „das Ruder herumreißen“ können.

Beispiel: Die Eheleute schilderten, dass die Ehefrau nicht im Außendienst beschäftigt sei und ihren Dienstwagen während ihrer Arbeitszeit nicht benötige. Deshalb könne der Ehemann den Wagen auch während der Woche für private Fahrten nutzen. So fahre er die gemeinsame minderjährige Tochter grundsätzlich mit dem Dienstwagen der Ehefrau zur Schule. Da die Ehefrau ins Büro fahre, die Schule aber regelmäßig 5 Minuten vor 8.00 Uhr beginne, sei das kein Problem. Für den Fall, dass die Schule mal später begänne oder der Ehemann beruflich verhindert sein sollte, besitze die Tochter eine Jahreskarte für den örtlichen Personennahverkehr.

Einmal pro Woche – meistens montags – fahre der Ehemann seine Frau mit deren Dienstwagen zur Arbeit und nehme ihn anschließend wieder mit nach Hause. Die Arbeitsstelle der Ehefrau sei 15 km von Zuhause entfernt. Die Fahrzeit betrage 10 Minuten pro Strecke. Auf dem Rückweg tätige der Ehemann die Einkäufe für die laufende Woche. Abends hole der Ehemann seine Ehefrau gegen 18.30 Uhr in deren Dienstwagen ab.

An den übrigen Arbeitstagen der Woche fahre die Ehefrau mit ihrem Dienstwagen selbst zur Arbeit. Die Einkäufe für das Wochenende wie auch sämtliche Fahrten im Rahmen der Freizeitgestaltung würden mit dem Dienstwagen der Ehefrau erledigt. Die Eheleute weisen außerdem die jährliche Gesamtfahrleistung der beiden Fahrzeuge nach: ca. 30.000 km beim BMW und ca. 2.760 km bei Citroën.

Finanzamt glaubte den Angaben des Selbstständigen nicht

Das Finanzamt zeigte sich uneinsichtig und sah den Anscheinsbeweis der privaten Mitbenutzung nicht als widerlegt an. Dass der Dienstwagen der Ehefrau deutlich höherwertiger als der Firmenwagen des Ehemanns war und auch eine deutlich höhere Fahrleistung aufwies, beeindruckte das Finanzamt nicht.

Insbesondere wertete es das Finanzamt als Schutzbehauptung, dass der Ehemann seine Ehefrau einmal wöchentlich in deren Dienstwagen zur Arbeit gefahren und mit dem Dienstwagen an dem Tag private Einkäufe erledigt habe. Das widerspreche jeglicher Lebenserfahrung, zumal der Ehemann auch kein Fahrtenbuch geführt habe.

Die Richter des Finanzgerichts Hessen hatten für so viel Eigensinn des Finanzamts kein Verständnis. Sie erkennen an, dass die Schilderungen der Eheleute über die Nutzung des Dienstwagens der Ehefrau in sich schlüssig und deshalb allemal geeignet sind, den Anscheinsbeweis zu widerlegen.

Anforderungen dürfen nicht „überdreht“ werden

Von den Eheleuten kann nicht verlangt werden, auch noch Unterlagen vorzulegen, aus denen sich der betriebliche Zweck jeder Fahrt sowie der Kilometerstand ergeben. Denn die Aufzeichnung der vorgenannten Daten würde faktisch auf das Führen eines Fahrtenbuchs hinauslaufen.

Auch darauf weisen die Finanzrichter ausdrücklich hin: Steht dem Ehegatten ein gehobener Firmenwagen zur privaten Mitbenutzung zur Verfügung, ist es in wirtschaftlicher Hinsicht verständlich, dass auch andere Familienangehörige dieses Fahrzeug privat nutzen. Das gilt erst recht dann, wenn der Arbeitgeber des Ehegatten – wie im entschiedenen Fall – sämtliche Fahrzeugkosten trägt.

Praxis-Tipp aus dem Praxishandbuch Buchführung und Steuern für Freiberufler und Kleinunternehmer: Steht Ihrem Ehegatten in einem vergleichbaren Fall ebenfalls ein Dienstwagen zur privaten Mitbenutzung zur Verfügung, empfiehlt es sich sehr, dass folgendes Detail ausdrücklich geregelt ist: Der Ehegatte, dem der Dienstwagen zur privaten Mitbenutzung zur Verfügung steht, muss berechtigt sein, den Dienstwagen privat auch von Familienangehörigen fahren zu lassen.

Fehlt eine solche Nutzungsregelung zum Dienstwagen des Ehegatten, ist es für Sie deutlich schwieriger, um eine Privatentnahme für die private Nutzung Ihres Firmenwagens herumzukommen.

Denn es entspricht nicht allgemeiner Lebenserfahrung, dass sich Arbeitnehmer bei einem ihnen überlassenen Dienstwagen über etwaige Nutzungsverbote oder Nutzungsbeschränkungen ihres Arbeitgebers hinwegsetzen (BFH, Urteil vom 21.4.2010, Az. VI R 46/08).

6. Fall: Sie und Ihre Angehörigen nutzen mehrere Fahrzeuge aus Ihrem Betriebsvermögen auch privat

Gehören gleichzeitig mehrere Kraftfahrzeuge zum Betriebsvermögen, so ist der pauschale Nutzungswert grundsätzlich für jedes Kraftfahrzeug anzusetzen, das von Ihnen oder von Ihren Familienangehörigen für Privatfahrten genutzt wird.

Dabei spielt es keine Rolle, ob mehrere Fahrzeuge nur von einer Person oder ein Fahrzeug von mehreren Personen privat gefahren wird.

Ausnahme: Unberücksichtigt bleiben

  • Fahrzeuge, die für eine private Nutzung nicht geeignet sind (z. B. Werkstattwagen), und
  • Fahrzeuge, die Sie eigenen Mitarbeitern als Dienstwagen auch zur privaten Mitbenutzung überlassen haben. Das gilt auch bei Überlassung eines Dienstwagens an den mitarbeitenden Arbeitnehmer-Ehegatten.

Beispiel: Sie führen einen florierenden Handwerksbetrieb. Zu Ihrem Betriebsvermögen gehören neben einigen Geräte- und Lastkraftwagen auch 4 Pkw.

Dabei handelt es sich im Einzelnen um

  • einen Pkw Audi A6 Avant, mit dem Sie Ihre betrieblichen Fahrten unternehmen, mit dem Sie auch von der Wohnung in den Betrieb fahren und den Sie auch privat nutzen;
  • einen Pkw VW Golf VI Cabriolet, den Sie Ihrem Ehegatten als Dienstwagen zur privaten Mitbenutzung überlassen. Ihr Ehegatte ist in Ihrem Betrieb vollschichtig tätig und für alle Büroarbeiten einschließlich der Buchführung zuständig;
  • 2 Pkw VW Polo, die von Ihren erwachsenen und noch in der Ausbildung befindlichen Kindern privat genutzt werden dürfen.

Für den Pkw Audi 6 und für die beiden Pkw VW Polo ist die private Nutzungsentnahme mit jeweils 1 % des Listenbruttopreises anzusetzen.

Zusätzlich ist für Ihre Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte der Betriebsausgabenabzug zu kürzen. Dabei ist der höchste Listenpreis zugrunde zu legen. Das ist hier der Listenpreis für den Pkw Audi A6 Avant, der in diesem Beispiel ohnehin von Ihnen gefahren wird.

Angenommen, Sie würden für Ihre Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte ausschließlich einen der Pkw VW Polo nutzen, dürfte das Finanzamt für diese Fahrten dann auch nur den wesentlich geringeren Bruttolistenpreis dieses Fahrzeugs zugrunde legen.

Voraussetzung ist allerdings, Sie weisen nach, dass Sie für diese Fahrten ausschließlich den Pkw VW Polo nehmen. Dazu bietet es sich z. B. an, auf eine etwaige geringe Fahrleistung des Pkw Audi hinzuweisen. Das gilt erst recht dann, wenn die Fahrleistung des Pkw Audi im Vergleich zu jener des Pkw VW Polo wesentlich geringer ist.

Oder umgekehrt: Die Fahrleistung des Pkw VW Polo, mit dem Sie täglich in Ihren Betrieb fahren, ist deutlich höher als jene des Pkw Audi. Ergänzend könnten Sie dem Finanzamt auch schriftliche Bestätigungen Ihrer Mitarbeiter vorlegen, dass Sie den Pkw VW Polo nutzen, wie von Ihnen angegeben.

Die private Mitbenutzung des Pkw VW Golf bleibt bei Ihnen unberücksichtigt, da er Ihrem Ehegatten als Dienstwagen zur privaten Mitbenutzung überlassen ist und dies im Rahmen der Gehaltsabrechnung als geldwerter Vorteil nach der 1-%-Regelung angesetzt wird, sofern Ihr Ehegatte kein Fahrtenbuch führt.

Worauf es bei einer GbR ankommt

Viele Selbstständige sind auch in der Rechtsform einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) tätig. Befinden sich Pkw im Betriebsvermögen einer solchen Gesellschaft, ist ein pauschaler Nutzungswert für den Gesellschafter anzusetzen, dem die Nutzung des Pkw zuzurechnen ist.

Beispiel: Die EHS-GbR, bestehend aus den Gesellschaftern Jan Emsig, Matthias Hurtig und Andreas Schnell, hat 4 Fahrzeuge in ihrem Betriebsvermögen. Die Gesellschafter Emsig und Schnell sind Singles. Niemand aus ihrer Privatsphäre nutzt die betrieblichen Kraftfahrzeuge.

Der Gesellschafter Hurtig ist verheiratet. Seine Ehefrau nutzt ein betriebliches Kraftfahrzeug auch für Privatfahrten.

Die betriebliche Nutzung der Kraftfahrzeuge beträgt jeweils mehr als 50 %. Die Bruttolistenpreise der Kraftfahrzeuge betragen 80.000 , 65.000 €, 50.000 € und 40.000 €.

Emsig nutzt das 80.000--Kraftfahrzeug, Hurtig das 50.000-€-Kraftfahrzeug, Schnell das
65.000-€-Kraftfahrzeug und die Ehefrau des Gesellschafters Hurtig das 40.000-€-Kraftfahrzeug.

Die private Nutzungsentnahme ist monatlich für den Gesellschafter Emsig mit 1 % von 80.000 €, für den Gesellschafter Schnell mit 1 % von 65.000 € und für den Gesellschafter Hurtig mit 1 % von 50.000 € zuzüglich 1 % von 40.000 € anzusetzen.

7. Fall: „Ich muss doch wohl meinen Ehegatten nicht überwachen“

Es ist Ihr legitimes Interesse als Freiberufler und Kleinunternehmer, alle Steuervorteile auszuschöpfen und dadurch so wenig Steuern wie nur möglich zu zahlen. Schließlich sind vorteilhafte Steuergestaltungen nicht etwa nur großen Unternehmen vorbehalten. Das hat der Bundesfinanzhof wiederholt klargestellt.

So ist es insbesondere auch zulässig, mit einem mitarbeitenden Ehegatten attraktive Gehaltsextras zu vereinbaren. Zu einem der beliebtesten Gehaltsextras überhaupt zählt ein Dienstwagen, der auch privat mitbenutzt werden darf. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass der geldwerte Vorteil entweder nach der 1-%-Methode oder auf Basis eines ordnungsgemäß geführten Fahrtenbuchs versteuert werden muss.

Verbot der privaten Mitbenutzung des Dienstwagens

Um genau dies zu vermeiden, entschließt sich manch ein Selbstständiger, seinem Ehegatten die private Mitbenutzung des Dienstwagens zu untersagen, und schreibt dies sogar ausdrücklich in den Arbeitsvertrag mit hinein.

Dahinter steckt folgende Überlegung:

  • Wenn Sie als Selbstständiger keine realistische Chance sehen, die Entnahme wegen der privaten Nutzung des Firmenwagens zu umgehen, soll wenigstens vermieden werden, dass auch noch der Arbeitnehmer-Ehegatte wegen einer privaten Mitbenutzung eines Dienstwagens „zur Kasse gebeten“ werden kann.
  • Dies wird zusätzlich noch durch das Argument untermauert, dass ja der Firmenwagen für private Fahrten der Familie zur Verfügung steht. Sie sind für diese Fahrten also gar nicht auf die private Mitbenutzung des Dienstwagens des Arbeitnehmer-Ehegatten angewiesen.
  • Und wenn der Dienstwagen des Arbeitnehmer-Ehegatten dann noch deutlich kleiner ausfällt als der eigene Firmenwagen, wird auch darauf gern besonders nachdrücklich hingewiesen.

Motto: In unserer Freizeit setzen wir uns doch nicht in den Kleinwagen, sondern nutzen selbstverständlich den höherwertigen Firmenwagen.

Sie machen sich damit praktisch die Argumentation zunutze, auf die das Finanzamt zurückgreift, wenn es trotz Vorhandenseins eines Privatwagens die private Mitbenutzung des Firmenwagens unterstellt (siehe dazu 3. Fall).

Kein Wunder, dass die Überraschung groß ist, wenn das Finanzamt das Nutzungsverbot nicht anerkennt und trotz der weiteren Argumente gegen eine Mitbenutzung des Dienstwagens gleichwohl unterstellt, dass der Arbeitnehmer- Ehegatte den Dienstwagen auch privat fährt.

Das Argument, in der Freizeit den bequemen und leistungsstarken Firmenwagen und nicht den dem Arbeitnehmer-Ehegatten als Dienstwagen überlassenen Kleinwagen zu nutzen, greift allenfalls dann, wenn in Ihrem Haushalt außer Ihrem Ehegatten keine anderweitigen Angehörigen mit Führerschein leben. Aber selbst dann wird es erfahrungsgemäß schwierig sein, allein mit einem arbeitsvertraglichen Verbot der privaten Mitbenutzung des Dienstwagens durchzukommen.

Denn: Zwar darf das Finanzamt bei einem arbeitsvertraglichen Verbot der Privatnutzung nicht einfach unterstellen, dass das Verbot missachtet wird.

Selbst ein schriftlich vereinbartes Verbot ist jedoch dann „nicht das Papier wert, auf dem es geschrieben steht“, wenn es nicht ernst gemeint ist, wenn es sich also um eine Gefälligkeitsvereinbarung handelt (BFH, Urteil vom 21.4.2010, Az. VI R 46/08).

Ein Indiz gegen die Ernsthaftigkeit des vereinbarten Nutzungsverbots ist dessen fehlende Überwachung:

Lassen Sie zu, dass Ihr Arbeitnehmer-Ehegatte trotz des ihm gegenüber angesprochenen Verbots privat mit dem Dienstwagen fährt, und kann Ihnen das Finanzamt dies nachweisen, wird Ihr Arbeitnehmer-Ehegatte den geldwerten Vorteil der privaten Mitbenutzung des Dienstwagens versteuern müssen. 

Nutzungsverbot überwachen –Wollen Sie das wirklich?

Beziehen Sie in Ihre Überlegungen mit ein, dass das Finanzamt ein Nutzungsverbot regelmäßig nur dann anerkennen wird, wenn es konsequent überwacht wird. Als Überwachungsmaßnahmen kommen unter anderem in Betracht: 

  • Sie vereinbaren mit Ihrem Ehegatten-Arbeitnehmer, dass der Dienstwagen außerhalb von Geschäftsreisen auf dem Betriebsgelände abgestellt werden muss. Außerdem kontrollieren Sie stichprobenartig, ob er sich auch tatsächlich an die Vereinbarung hält. Das Ergebnis der Kontrollen halten Sie jeweils in einer Aktennotiz fest. Alternativ können Sie auch vereinbaren, dass der Autoschlüssel im Büro-Safe oder in einem Schlüsselkasten im Betrieb aufbewahrt werden muss. 
  • Alternative zum vorerwähnten Verbot: Um sich diesen zusätzlichen Arbeitsaufwand durch die Kontrollen zu sparen, verpflichten Sie Ihren Arbeitnehmer-Ehegatten, ein Fahrtenbuch zu führen. 
  • Damit das später auch vom Finanzamt und Finanzgericht anerkannt wird, verpflichten Sie ihn zusätzlich, das Fahrtenbuch ordnungsgemäß, also „exakt, zeitnah und lückenlos“ zu führen.    
Praxis-Tipp aus dem Praxishandbuch Buchführung und Steuern für Freiberufler und Kleinunternehmer:
  • Es gibt definitiv keine Möglichkeit, die Besteuerung der privaten Mitbenutzung des Dienstwagens zu vermeiden, indem Sie mit Ihrem Arbeitnehmer-Ehegatten zum Schein ein privates Nutzungsverbot vereinbaren. 
  • Sehen Sie deshalb grundsätzlich von einer derartigen Trickserei ab. 
  • Ziehen Sie es vor, alle sonstigen Steuervorteile auszuschöpfen, die sich Ihnen als Freiberufler und Kleinunternehmer bieten, als durch eine windige Vertragsgestaltung auf sich aufmerksam zu machen. 
  • Zusätzlich riskieren Sie sonst nur, dass es auch noch zu einer Betriebsprüfung kommt, die es sonst nicht gegeben hätte und die in anderen Bereichen Nachlässigkeiten in der Buchführung aufdeckt, die zu Steuernachzahlungen führen.

Für diesen Auftritt wurden Bilder des Fotografen Feng Yu aus der Bild-Datenbank Fotolia verwendet.
Autor: RA Heinz Wilhelm Vogel


 

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