Anzeige
Leer Leer
 
Leer
Leer
Leer
Leer
Leer
Anzeige





Business-Ratgeber für Ihren Erfolg 2017
Jetzt in unserem Shop:

» Jetzt auch mit Gratis-Test-Garantie «

Die aktuelle Meinung aus unserer
Experten-Ecke:

Michael T. Sobik
Michael T. Sobik

Zeigen Sie als Arbeitgeber ruhig mal Flagge

Anzeige




 

Anzeige
Seminare für Sekretärinnen

 
Sie befinden sich hier: Startseite > Selbstständige & Unternehmer > Wettbewerbsrecht

Die Abmahnwelle rollt: 7 wichtige Hinweise, wie Sie keinesfalls werben dürfen

7 wichtige Hinweise, wie Sie keinesfalls werben dürfen

Wettbewerbsrechtliche Abmahnungen sind lästige und vor allem teure Begleiterscheinungen des Wirtschaftslebens. Abmahngebühren betragen meist zwischen 500 und 1.000 €, können aber in Einzelfällen – etwa im Markenrecht – auch schnell 2.000 € und mehr ausmachen.

In diesem Beitrag aus dem Handbuch für Selbstständige und Unternehmer werden die häufigsten und teuersten Werbefehler aufgeführt, die zu Abmahnungen führen, und Sie erhalten eine Fülle von Tipps, wie Sie solche und ähnliche Fallen sicher umgehen.


1. Nutzen Sie den guten Ruf fremder Marken nicht aus

Hüten Sie sich davor, eine fremde Marke allein wegen ihres guten Rufs in der eigenen Werbung zu nennen. Damit würden Sie die Bekanntheit der Marke unlauter ausnutzen.


Unlautere Werbung mit fremden Marken:

Der Produzent der Whisky-Marke Jim Beam peppte eine Werbeanzeige damit auf, dass die Flasche vor einem Rolls-Royce-Kühlergrill abgebildet wurde. Der Ruf des edlen Fahrzeugs sollte auf das Getränk ausstrahlen. Das ist als unzulässige Rufausbeutung anzusehen (BGH, 9.12.1982, Az. I ZR 133/80).

Übertragung auf kleinere Unternehmen: Der Inhaber einer Autowaschanlage sollte nicht auf die Idee kommen, seine Werbeanzeigen mit Markennamen aufzuwerten: „Für nur 9,90 € wird alles blitzeblank – ob Golf oder Mercedes“ – er hat kein Recht, diese Markennamen zu nennen. Dasselbe gilt, wenn ein Händler eine fremde Marke nutzt, nur um sein eigenes Angebot zu beschreiben: „Pullover so schön wie die von Esprit“ – das ist eine Markenrechtsverletzung.


Hintergrund: Meldet jemand eine Marke in Deutschland bzw. als europäische Marke mit Geltung auch für Deutschland neu an, hat er ab dem Anmeldetag ein „Monopol“ auf die Verwendung dieser Marke (es sei denn, jemand anders kann ältere Rechte an der Marke nachweisen).

Verwenden Sie eine fremde Marke unberechtigt in Ihrer Werbung, hat der Rechteinhaber nach dem Markengesetz Unterlassungs- und Schadenersatzansprüche gegen Sie. Allein der Unterlassungsanspruch wird nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs nicht mit unter 50.000 € Streitwert beziffert (BGH, 16.3.2006, Az. I ZB 48/05). Schon eine Abmahnung wegen der unberechtigten Marken-Nennung, deren Gebühr sich nach dem Streitwert richtet, kostet mithin mindestens 1.642 €.

Was Sie tun dürfen

Erlaubt ist Ihnen die Verwendung einer Marke, wenn der Rechteinhaber es Ihnen gestattet. Fragen Sie ihn danach. Verspricht er sich selbst eine Werbewirkung für seine Marke davon, ist ein Ja nicht unwahrscheinlich. Will der Markeninhaber dafür Geld von Ihnen, prüfen Sie genau, ob Ihr Nutzen groß genug sein wird – ansonsten nehmen Sie lieber Abstand davon.

Sie dürfen fremde Marken aber ohne ausdrückliche Erlaubnis (und ohne Geldzahlung!) in Ihrer Werbung verwenden, wenn Sie die damit bezeichnete Ware selbst verkaufen. Ansonsten könnten Sie die Ware ja nicht bewerben. Aber Vorsicht: Vergessen Sie bei Neuauflagen von Katalogen etc. die Aktualisierung nicht!


Verkauf von Markenware:

Ein Händler bildet in seinen Werbefaltblättern neben der Markenware selbst auch die bekannten Logos ab – beides ist ihm erlaubt. Dann legt er ein altes Werbefaltblatt neu auf und vergisst dabei, eine Marke herauszunehmen, die er nicht mehr im Angebot hat. Dafür muss er mit einer Abmahnung rechnen.


Sie dürfen fremde Marken auch dann nutzen, wenn das für die Beschreibung Ihres eigenen Angebots notwendig ist (§ 23 Nr. 3 Markengesetz). Das ist vor allem im Ersatzteil- und Zubehörbereich von Bedeutung.


Zubehörhandel:

Ein Hersteller von Aluminiumrädern für Fahrzeuge wollte seine Produkte in der Werbung ins rechte Licht rücken. Deshalb bildete er sie an einen Porsche montiert ab. Die Porsche AG klagte dagegen wegen Markenrechtsverletzung bis zum BGH. Das Porschewappen sei für die Porsche AG als Marke für Automobile und für Zubehör eingetragen.

Dennoch war die Werbung erlaubt, wie der BGH entschieden hat (BGH, 15.7.2004, Az. I ZR 37/01). Der Kunde kann die Wirkung der Aluminiumräder nur dann beurteilen, wenn er sie am Fahrzeug abgebildet sieht. Der Händler musste sich in seiner Werbung nicht auf Detailausschnitte beschränken, um möglichst nichts von der fremden Marke „Porsche“ zu zeigen.


Handbuch für Selbstständige und Unternehmer-Praxis-Tipp: Bleiben Sie stets vorsichtig! „Notwendig“ im Sinne des Gesetzes ist es meist nur, die Marke zu nennen – nicht aber, auch ein Logo abzubilden. So wird die Werbung etwa für Toner es nicht erfordern, dass Sie den Drucker oder Kopierer mit dem Marken-Logo des Herstellers abbilden.

Achten Sie zudem besonders darauf, jede Irreführung des Kunden zu vermeiden. Der muss das beworbene Angebot klar Ihnen und nicht dem Markeninhaber zuordnen können. (Beispiel: Der Kunde darf nicht den Eindruck bekommen, die beworbenen Aluminiumräder würden von Porsche produziert.)


2. Locken Sie andere nicht mit fremden Marken zu Ihrem Internet-Angebot

Wer sein Angebot im Internet vermarktet, hat ein Interesse daran, viele mögliche Kunden auf seine Seiten zu ziehen. Dabei versucht mancher, die Suchmaschinen auszutricksen: Für Internet-Nutzer unsichtbar werden fremde Markennamen, z. B. in weißer Schrift auf weißem Grund, auf der eigenen Internet-Seite abgebildet – damit diese Seite dann in der Ergebnisliste ausgeworfen wird, sobald jemand nach dem Markennamen sucht. Eine solche Nutzung fremder Marken ist aber nicht erlaubt (BGH, 8.2.2007, Az. I ZR 77/04).

Gleiches gilt für andere Arten versteckter Markenverwendung, wie z. B. in Metatags innerhalb des HTML-Codes Ihrer Internet-Seiten (OLG München, 6.4.2000, Az. 6 U 4123/99; BGH, 8.2.2007, Az. I ZR 77/04). Schalten Sie im Internet Kleinanzeigen in Form der beliebten „Google AdWords“? Rechtlich noch nicht abschließend geklärt ist, ob Sie fremde Marken als Schlüsselwörter angeben dürfen – sucht ein Nutzer danach, würde dann Ihre Anzeige eingeblendet. Das OLG Braunschweig sah eine Markenrechtsverletzung darin (12.7.2007, Az. 2 U 24/07), das OLG Köln hingegen nicht (31.8.2007, Az. 6 U 48/07).

Wie Sie sich schützen

Fremde Markennamen, die Sie nicht verwenden dürfen, gehören weder sichtbar noch unsichtbar auf Ihre Internet-Seiten. Verwenden Sie sie besser auch nicht für die „Google AdWords“. Bei diesem Programm sollten Sie auch nicht die Funktion „weitgehend passende Keywords“ wählen, da Google dann selbstständig Begriffe einsetzt, bei deren Eingabe Ihre Anzeige er scheint – sind das Marken, laufen Sie wiederum Gefahr, wegen einer Rechtsverletzung abgemahnt zu werden.

Nicht jeder programmiert im Internet selbst. Überlassen Sie das einem Dienstleister, vereinbaren Sie schriftlich mit diesem, dass er die genannten Techniken nicht anwendet.


Handbuch für Selbstständige und Unternehmer-Musterformulierung:

Die Parteien vereinbaren, dass in der Programmierung der Internet-Seite des Auftraggebers sowie zu Zwecken der Vermarktung des Angebots nur solche Begriffe eingesetzt werden, die für Waren und/oder Dienstleistungen stehen, die auf der Internet-Seite des Auftraggebers dauerhaft angeboten werden.

Bei Anzeigenschaltungen, etwa im Rahmen von „Google AdWords“, wird die Funktion „weitgehend passende Keywords“ nicht eingesetzt. Der Dienstleister stellt den Auftraggeber von allen Ansprüchen frei, die Dritte aufgrund von gleichwohl vorkommenden Markenverletzungen, die der Dienstleister zu vertreten hat, gegen den Auftraggeber und/oder seine gesetzlichen Vertreter geltend machen.


3. Nennen Sie fremde Firmennamen nicht einfach in Ihrer Werbung

Sie haben schon einmal für Siemens gearbeitet oder für den Gewerbebetrieb Max Müller bei Ihnen um die Ecke. Dürfen Sie das in Ihrer Werbung bekannt machen? Nein! Eine ähnliche rechtliche Wirkung wie eingetragene Marken haben auch Firmennamen (§ 5 Abs. 1 Markengesetz) und übrigens auch Titel von Zeitschriften oder Spielen (Titelschutzrecht – § 5 Abs. 3 Markengesetz).

Häufig möchten Firmen nicht in fremder Werbung genannt werden, selbst wenn sie positiv erscheinen. Dann können sie von Ihnen Unterlassung der Werbung mit ihrem Namen verlangen – mit den beschriebenen teuren Folgen, wenn das im Rahmen einer Abmahnung geschieht.

Was Sie tun dürfen

Den Firmennamen dürfen Sie natürlich nennen, wenn die Firma es Ihnen gestattet. Fragen Sie z. B. um Erlaubnis, wenn Sie eine Referenzliste mit Ihren namhaften Kunden veröffentlichen wollen. Das sollten Sie auch tun, wenn Sie die Namen von Privatkunden in einer Referenzliste verbreiten möchten – dort gebietet es das Persönlichkeitsrecht (auch wenn es mit unlauterer Werbung somit nichts zu tun hat, kann es eine Abmahnung auslösen).


4. „Keine Haftung für Irrtümer“ – damit leisten Sie sich einen Bärendienst

Man findet sie überall, die sogenannten Disclaimer wie „Änderungen und Irrtümer vorbehalten“, „Für Irrtümer wird keine Gewähr übernommen“ oder „Für Druckfehler wird nicht gehaftet“. Unternehmer setzen sie in Werbeprospekten oder Katalogen ebenso gern ein wie in Anzeigen oder im Internet. Solche Enthaftungshinweise sind aber doppelt gefährlich: Sie bringen rein rechtlich meist nichts und können sogar – je nach rechtlicher Auslegung – wettbewerbswidrig sein.

Einfache Hinweise wie „Druckfehler/Irrtum vorbehalten“ sind wohl nicht wettbewerbswidrig – sie bringen aber auch nichts. Wenn Sie nach Vertragsabschluss merken, dass Ihnen ein Fehler unterlaufen ist, können Sie den Vertrag mit dem Kunden höchstens noch anfechten (z. B. bei einem offensichtlichen Druckfehler) – aber das geht genauso auch ohne jeden Hinweis darauf.

Viel riskanter sind Enthaftungshinweise wie „Keine Haftung für ...“ oder „Änderungen vorbehalten“. Wenn Sie solche Klauseln einseitig in Ihre Angebote oder die Werbung aufnehmen, gelten sie als AGB. AGB, die Ihre Kunden unangemessen benachteiligen, sind jedoch unwirksam – so auch Klauseln, die Ihre Haftung generell ausschließen oder die beliebige Veränderungen zu Ungunsten der Kunden auch nach Vertragsschluss möglich machen würden.
  • Könnten also Kunden Ihre Hinweise als rechtliche Einschränkungen verstehen, obwohl das rechtlich nicht haltbar ist, ist das wettbewerbswidrig (OLG Düsseldorf, 18.7.2002, Az. 6 U 218/01).

  • Andererseits dürfen Klauseln wie „Änderungen vorbehalten“ aber in allgemeinen Informationsprospekten vorkommen, wenn sie als bloßer Hinweis auf die ständigen technischen Veränderungen verstanden werden und nicht als rechtliche Vorbehalte (OLG Hamm, 29.11.2007, Az. 17 U 91/07).

Wann eine Abmahnung gerechtfertigt ist, ist letztlich Auslegungssache. Ein Risiko gehen Sie durch Enthaftungshinweise stets ein. Kommt es zu einer Abmahnung, müssen Sie sich entweder beugen, zahlen und Ihre Werbemittel mit dem Hinweis einstampfen oder sich auf einen Rechtsstreit mit ungewissem Ausgang einlassen.


Wann eine Abmahnung droht:

Ein Heizungsbauer gibt ein Werbefaltblatt heraus, in dem er Angebote für Gasbrennwertheizungen darstellt und mit technischen Daten unterlegt. Da er aber für seine Aussagen nicht zur Rechenschaft gezogen werden möchte, schreibt er darunter „Keine Haftung für Druckfehler und Irrtümer“. Wenige Zeit später wird er dafür kostenpflichtig abgemahnt: Seine Werbung führe mögliche Kunden in die Irre, weil der Haftungsausschluss unwirksam sei! Dem wird er sich wohl beugen müssen.

Das ist Ihnen zu raten

Wegen des Auslegungsrisikos und des fehlenden Nutzens sollten Sie generell auf „Enthaftungshinweise“ verzichten – sie bringen nichts und sind wettbewerbsrechtlich riskant.
  • Wenn Sie Ihre Haftung über AGB einschränken wollen, ist das zwar nicht unmöglich, erfordert aber eine genaue Kenntnis des AGB-Rechts. Sie kommen also um den Weg zu einem darauf spezialisierten Anwalt kaum herum, denn die Rechtsprechung hierzu ist kompliziert zu verstehen und höchst unübersichtlich.

  • Wenn Sie durch solche Hinweise nur ausdrücken wollen, dass es sich bei Ihrer Werbung noch nicht um ein konkretes Angebot handeln soll, dann schreiben Sie das besser so, dass der Kunde es versteht:

    Die genannten Ausstattungen und Preise sind Beispiele und unterliegen täglichen Schwankungen – wir unterbreiten Ihnen gern ein konkretes Angebot!


5. Werben Sie nicht mit unklaren Preisangaben

Probleme können Sie bekommen, wenn Sie in Ihrer Werbung unbestimmte Preisbezeichnungen verwenden, die Ihre Kunden in die Irre führen.


„Statt-Preise“ ohne Bezug:

In einer Zeitschrift warb ein Optiker für Brillengläser mit der Preisangabe „zur Einführung nur 149,–“ und klein darunter „statt 349,–*“ Das Sternchen wurde in einer Fußnote aufgelöst. Dort stand in sehr kleiner Schrift: „Höherer Preis gilt ab (Datum), unverb. Preisempf.“ Der Forderung, diese Art von Werbung zu unterlassen, musste der Optiker letztlich vor Gericht nachgeben (BGH, 4.5.2005, Az. I ZR 127/02) – und die hohen Kosten für das gesamte Verfahren tragen.


Hintergrund: Unklare Preisangaben sind irreführend und damit unlauter. In dem geschilderten Fall sollte der Kunde den „Einführungspreis“ im Vergleich zu der höheren Preisempfehlung des Herstellers sehen. Die konkrete Gestaltung mit dem versteckt aufgelösten Sternchen und der sehr kleinen Schrift führte den Kunden nach Ansicht der Richter jedoch in die Irre. Er konnte denken, der höhere Preis wäre von dem Optiker tatsächlich bereits verlangt worden, und so seinen Vorteil falsch einschätzen.

So machen Sie es richtig

Gegen einen „Einführungspreis“ ist nichts einzuwenden, wenn Sie deutlich klären, was sich hinter dem „Statt-Preis“ verbirgt. Ist es die unverbindliche Herstellerempfehlung, muss das also unmittelbar an dem höheren Preis stehen und darf nicht versteckt werden. Es ist erlaubt und beliebt, den eigenen Preis mit der unverbindlichen Herstellerempfehlung zu vergleichen. Gegen die Abkürzung „UVP“ ist dabei nichts einzuwenden (BGH, 7.12.2006, Az. I ZR 271/03).

Auch die Angabe „empfohlener Verkaufspreis“ oder „empfohlener Verkaufspreis des Herstellers“ genügt nach Ansicht des BGH, da der „informierte, angemessen aufmerksame und verständige Durchschnittsverbraucher“ weiß, dass solche Preisempfehlungen üblicherweise vom Hersteller stammen und unverbindlich sind.

Aber Vorsicht! Achten Sie darauf, dass die UVP, die Sie zitieren, nicht veraltet ist – das wäre unlautere Werbung (BGH, 29.1.2004, Az. I ZR 132/01). Maßgeblich sind die aktuellen Preislisten des Herstellers. Die Rechtsprechung ist hierbei sehr streng. Übergangszeiten werden nicht mehr toleriert. Eine neue UVP müssen Sie sofort ab der Änderung angeben. Behelfen Sie sich im Zweifel mit einem deutlich wahrnehmbaren Sternchenhinweis: „Stand 18.2.2017 – jederzeitige Änderung der UVP durch den Hersteller möglich“.

Schließlich kann selbst eine aktuell noch gültige UVP abmahngefährdet sein, wenn sie nämlich weit vom tatsächlich üblichen Marktpreis entfernt ist (OLG Köln, 2.3.2001, Az. 6 U 208/99). Sie gilt dann als „Mondpreis“ – so bezeichnet man einen Preis, der nie oder nicht ernsthaft längerfristig gefordert worden ist.

Gegen den Vorwurf der Werbung mit einem Mondpreis müssen Sie sich auch immer wappnen, wenn Sie eigene alte, höhere Preise Ihren aktuellen Angebotspreisen gegenüberstellen. Bezeichnen Sie einen alten – z. B. durchgestrichenen – Preis nicht näher, darf der Kunde davon ausgehen, dass es sich um Ihren alten Preis handelt. Das muss dann auch stimmen.

Handbuch für Selbstständige und Unternehmer-Praxis-Tipp: Über welchen Zeitraum Sie den alten Preis gefordert haben müssen, um damit werben zu dürfen, ist schwierig zu bestimmen. Das Gesetz (§ 5 Abs. 4 UWG) untersagt eine „unangemessen kurze Zeit“. Behelfen Sie sich mit folgenden Faustformeln:
  • Bei Waren/Leistungen des täglichen Bedarfs sollten Sie den alten Preis für etwa einen Monat gefordert haben.

  • Bei langlebigen Wirtschaftsgütern sollte er länger Bestand gehabt haben; orientieren Sie sich daran, wie oft Ihre Mitwerber Preise senken.

  • Bei Waren, die starken Preisschwankungen unterliegen (z. B. PC-Speicherbausteine), darf der alte Preis auch kürzer – bis hin zu nur einigen Tagen – gültig gewesen sein. Entsteht Streit darüber, ob Sie mit einem „Mondpreis“ werben, müssen Sie beweisen, wie lange Sie den Preis gefordert haben. Bewahren Sie deshalb alle Werbemittel mit Preisangaben sowie Ihre internen Preislisten gut auf.


6. Bieten Sie ein Gewinnspiel nicht nur Ihren Kunden an

Schon mancher Unternehmer hat es für eine gute Idee gehalten, seine Kunden zu belohnen, indem er sie – und nur sie – an einem attraktiven Gewinnspiel teilnehmen ließ. Das kam viele teuer zu stehen.


Unlautere Werbung:

Eine Kaufhauskette versprach, jeden 1.000. Kassenbon zu stornieren, sodass der betreffende Kunde die gekaufte Ware nicht bezahlen müsse. Das ist nicht erlaubt, weil sich nur Käufer an diesem Gewinnspiel beteiligen können (OLG Hamburg, 21.10.2004, Az. 5 U 51/04).


Hintergrund: Die Kopplung der Teilnahme an einem Gewinnspiel an den Abschluss eines Kauf-, Dienstleistungs- oder Werkvertrags ist verboten (§ 4 UWG). Im Klartext: Sie dürfen die Teilnahme an einem Preisausschreiben nicht vom Erwerb einer Ware oder der Inanspruchnahme einer Dienstleistung abhängig machen, sondern müssen sie jedem Interessenten ermöglichen.

Beachten Sie: Die gesetzlichen Vorschriften gelten nur für Gewinnspiele gegenüber Verbrauchern. Im B2B-Bereich scheint damit eine Kopplung möglich. Aber eine fehlende gesetzliche Regelung ist nicht mit einer Erlaubnis gleichzusetzen. Man wird weiter abwarten müssen, wie Gerichte darüber entscheiden. Behandeln Sie Geschäftskunden also besser nicht anders als Privatkunden.

So machen Sie es besser

Entkoppeln Sie die Gewinnspiel-Teilnahme deutlich von einem Geschäft mit Ihnen. Schreiben Sie neben Ihr Gewinnspiel: „Die Teilnahme ist nicht von einem Kauf / einem Vertragsabschluss / einer Bestellung abhängig – auch ohne haben Sie die gleiche Gewinnchance!“ Mit einem solchen Hinweis ist es sogar zulässig, dass Sie das Gewinnspiel mit einem Bestellschein verbinden, solange beide Teile optisch eindeutig voneinander getrennt sind (BGH 3.3.2005, Az. I ZR 117/02).

Teilnahmekarten müssen ohne „Zwangskontakt“ zu Ihnen zu erhalten sein. Kann ein Interessent die Teilnahmekarte etwa nur in Ihrem sehr kleinen Büro/Geschäft abholen, ist ihm das möglicherweise peinlich, wenn er nicht zugleich etwas kauft. In diese Situation dürfen Sie ihn nicht bringen: Er muss die Teilnahmekarten auch unbeobachtet erhalten können. Bieten Sie sie also zumindest auch noch draußen am Geschäftseingang zur Mitnahme und/oder im Internet an.

Handbuch für Selbstständige und Unternehmer-Praxis-Tipp: Erlaubt ist es, Besucher mithilfe eines Preisausschreibens in Ihr virtuelles Geschäft, also auf Ihre Internet-Seiten, zu locken. Denn das Kaufzwangproblem stellt sich dort nicht, weil ein Besucher Ihrer Internet-Seiten ja anonym bleibt und sich nicht durch Ihre Blicke oder pure Anwesenheit unter Druck gesetzt fühlen kann, etwas zu kaufen.

Das Gleiche gilt, wenn Sie Kataloge oder Werbebroschüren mit einem Gewinnspiel versehen, das den Teilnehmer zwingt, sich mit Ihrem Angebot auseinanderzusetzen. Weil er sich dabei nicht beobachtet fühlen muss, entsteht auch keine Kaufzwang-Situation.

Wichtig: Formulieren Sie eindeutige Teilnahmebedingungen für jedes Gewinnspiel – auch damit Kunden Sie nicht auf einen Gewinn verklagen können. Bei Gewinnspielen im Internet ist es sogar vorgeschrieben, dass die Teilnahmebedingungen „leicht zugänglich sein sowie klar und unzweideutig angegeben werden“ müssen (§ 6 TMG). Bei allen übrigen Preisausschreiben sollten Sie nicht anders verfahren. Halten Sie somit schriftlich fest,
  • wer der Veranstalter des Preisausschreibens ist,

  • wer teilnehmen darf,

  • wie die Teilnahme erfolgt,

  • wie die Gewinner ermittelt werden,

  • welche Preise vergeben werden und

  • welche Einschränkungen es gibt.


Muster für ganz einfache Teilnahmebedingungen:


3 Plätze im Farbseminar zu gewinnen!

Preisfrage: Wie viel Liter xy-Farbe braucht Malermeister Winzer für den Anstrich von 100 qm?

( ) 10 Liter ( ) 100 Liter ( ) 1.000 Liter

Kreuzen Sie die richtige Antwort an, und gewinnen Sie die kostenlose Teilnahme an einem 3-stündigen Farbseminar, bei dem Malermeister Michael Winzer Sie in die Geheimnisse der Farbgestaltung einweiht. Das Seminar findet in unseren Betriebsräumen (Adresse siehe unten) an einem Termin nach Absprache mit Ihnen statt.

Sie nehmen an der Verlosung teil, indem Sie die richtige Lösung der Preisfrage ankreuzen und die Karte dann bis zum 23. 03. 2017 bei uns abgeben oder einsenden an:

Malerfachbetrieb Michael Winzer
Bahnhofstraße 15
12345 Ort

Die Teilnahme ist nicht von einem Kauf / einem Vertragsabschluss / einer Bestellung abhängig – auch ohne haben Sie die gleiche Gewinnchance!

Nicht mitmachen dürfen alle Mitarbeiter unseres Malerfachbetriebs sowie deren Angehörige. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


7. Vermeiden Sie generell alle irreführenden Werbeaussagen

Vergessen Sie über die bereits ausgeführten Spezialfälle hinaus schließlich auch den wichtigsten
allgemeinen Grundsatz nicht: Machen Sie in Ihrer Werbung irreführende Angaben, müssen Sie mit teuren Abmahnungen rechnen. Leider ist sich mancher Selbstständige dieser großen Bedeutung von § 5 UWG gar nicht bewusst.

Bevor Sie also eine Werbemaßnahme veröffentlichen, sollte sie den folgenden Test bestehen. Prüfen Sie, ob Sie den Kunden in die Irre führen, anhand der folgenden 3 Fragen:
  1. Entsprechen sämtliche Aussagen, die Sie über Ihr Angebot machen, der Wahrheit?

    (Beispiel: Ein gerade gemaltes Ölbild ist kein „antikes Kunstwerk“, auch wenn ein Säulentempel darauf abgebildet ist.)

  2. Werben Sie mit Selbstverständlichkeiten? Gaukeln Sie dem Kunden nicht vor, er erhalte etwas Besonderes, wenn es sich um den Standard handelt!

    (Beispiele: Kritisch ist schon „Bei uns bekommen Sie genau das, was wir vereinbart haben!“ – warum auch nicht? „2 Jahre Gewährleistung“ darf erwähnt, aber nicht als Besonderheit groß herausgestellt werden, da es gesetzlich vorgeschrieben ist.)

  3. Sind Ihre Angaben vollständig? Der angesprochene Kunde muss alle für seine Kaufentscheidung wesentlichen Fakten erfahren.

    (Beispiel: Irreführend ist es, eine Ware deutlich im Preis herabzusetzen, aber zu verschweigen, dass es sich um ein Ausstellungsstück handelt.)


Für diesen Auftritt wurden Bilder des Fotografen Jörg Vollmeer aus der Bild-Datenbank Fotolia verwendet.

Wie finden Sie diesen Beitrag? Durchschnittliche
Bewertung
4 Sterne
bei 37 Bewertungen
Mit der Abgabe einer Bewertung wird ausschließlich der Wert der Bewertung gespeichert. Ein Rückschluss auf die Identität bestimmter Personen ist damit nicht möglich!
Diesen Beitrag jetzt...
Beitrag twittern    Beitrag bei XING posten


Dieser Beitrag wurde gesponsert von:
Handbuch für Selbstständige und Unternehmer


Jeden Tag ein neuer Kunde.
Weniger Zahlungsausfälle.
Mehr Umsatz, weniger Steuern.


Herzlichen Glückwunsch – Sie haben sich selbstständig gemacht! Doch jetzt müssen Sie sich plötzlich in vielen Dingen auskennen, von denen Sie bisher noch nicht betroffen waren: Steuerfragen klären ... Angebote und Rechnungen schreiben ... Mahnungen verschicken ... den Einkauf organisieren ... die Buchhaltung machen ... Verträge aushandeln ... Mitarbeiter einstellen ... Finanzierungsfragen mit der Bank klären ... die Werbung schlagkräftig gestalten und, und, und.

Wer gibt Ihnen auf diese Fragen umfassend und kompetent und vor allem bezahlbar eine Antwort?

Holen Sie sich jetzt 17 Experten ins Haus, die Ihnen rechtssicher und zuverlässig Rede und Antwort stehen – immer dann, wenn Sie gerade einen Rat brauchen: Im Handbuch für Selbstständige und Unternehmer finden Sie Expertenrat zu allen Unternehmensbereichen und bekommen die Antworten auf alle Fragen, die für den Erfolg Ihres Unternehmens wichtig sind.

Lesen Sie hier mehr über das „Handbuch für Selbstständige und Unternehmer“

Klicken Sie hier für Ihren kostenlosen „30-Tage-Gratis-Test“


Lesen Sie auch unsere weiteren Beiträge für „Selbstständige & Unternehmer“:


Diese Seite wurde vom McAfee SiteAdvisor
auf Sicherheit überprüft
Gelassenheits-Schaf
© 2005-2017, web suxxess factory