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Lohn ausgeblieben: Was sollen wir dem Kollegen raten?

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Frage an die Redaktions-Hotline: Bei uns brodelt zurzeit die Gerüchteküche. Ein Standort soll geschlossen werden. Aber die Unternehmensleitung hüllt sich in Schweigen. Auch wir als Betriebsrat sind bisher noch nicht offiziell informiert worden.

Nun wurden wir neulich von einem Kollegen mit folgendem Anliegen angesprochen: Er wartet seit 3 Monaten auf seinen Lohn. Weitere Fälle sind bisher nicht an uns herangetragen worden. Wir vermuten jedoch, dass auch bei anderen noch Lohnzahlungen ausstehen. Was sollen wir dem Betroffenen raten?


Hier die Antwort der Redaktion von Urteilsdienst für den Betriebsrat:

Kommt der Lohn nicht pünktlich, muss nicht gleich das Schlimmste eingetreten sein. Bevor Ihr Kollege rechtliche Schritte einleitet, sollte er sich zunächst bei Ihrem Arbeitgeber informieren. Er sollte versuchen, herauszufinden, woher die Nicht-Zahlung rührt. Unter Umständen war es nur ein Versehen.

Passiert daraufhin nichts und wartet er weiter vergebens auf seine Vergütung, sollte er den Lohn anmahnen. Und zwar am besten schriftlich. Dabei muss Ihr Kollege den Zeitraum benennen, für den das Geld nicht gezahlt wurde. Zudem muss er die Summe, die noch aussteht, betiteln.

Und: Für die Zahlung der Rückstände sollte er Ihrem Arbeitgeber eine angemessene Frist einräumen. Was angemessen ist, wird davon abhängen, wie hoch der Lohn im Verhältnis zum Umsatz ist. Entscheidend ist letztlich, welcher Betrag insgesamt aussteht.

Wichtig: Durch eine solche Mahnung setzt Ihr Kollege Ihren Arbeitgeber in Verzug. Im Fall einer Klage kann er dadurch gezwungen werden, auch für Schäden aufzukommen, die dadurch entstanden sind, dass kein Geld gezahlt wurde.

Einfach mal zu Hause bleiben?

Wenn auch auf die Mahnung hin nichts passiert, kann Ihr Kollege zudem überlegen, ob er von seinem Recht Gebrauch machen will, erst einmal nicht mehr zur Arbeit zu erscheinen. Und zwar ohne dass ihm dafür der Lohn gekürzt wird. Dazu müsste Ihr Kollege Ihrem Arbeitgeber das Vorgehen lediglich ankündigen. Hat er das getan, kann er so lange zu Hause bleiben, bis das Geld gezahlt wird.

Dieses Recht steht Arbeitnehmern zu, die länger als einen Monat auf ihr Geld warten. Zudem muss ein erheblicher Geldbetrag offen sein und sie dürfen trotz Nachfrage und Mahnung nichts vom Arbeitgeber gehört haben. Ihr Kollege muss dabei auf ein angemessenes Verhältnis achten. (Es sollten mindestens 1,5 Monatsgehälter offen sein.) Denn steht nur noch ein kleiner Restbetrag aus, kann bereits ein ganzer Tag zu viel sein.

Von diesem Recht sollte Ihr Kollege erst Gebrauch machen, wenn die Lage aussichtslos ist. Denn berücksichtigen Sie: Kann eine Insolvenz noch verhindert werden, kommt es auf jede Hand an. Wer allerdings nicht dabei hilft, Aufträge zu erledigen bzw. neue Aufträge an Land zu ziehen, der bringt kein Geld in den Betrieb.

Das ist notwendig, damit Ihr Arbeitgeber die Löhne auch zahlen kann. Als Betriebsrat sollten Sie in einer solchen Situation stets prüfen, ob Sie Ihren Kollegen durch die Vereinbarung von Kurzarbeit oder die Einrichtung von Arbeitszeitkonten unter die Arme greifen können.
Beitrag veröffentlicht am: 09.10.2009
Aus: Urteilsdienst für den Betriebsrat — Jetzt gratis testen!
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