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Warum Kampfrhetorik Ihrem Ansehen schadet

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Wie der neue Reden-Berater berichtete, ereiferten sich in einem Intensivseminar 2 Führungskräfte bei der Frage: Was führt beim Kommunikationsverhalten schneller zum Erfolg: der harte rücksichtslose Kampf oder das freundliche menschliche, einfühlsame Verhalten, das aber die harte Auseinandersetzung auf der Sachebene einschließt? Die Alternativfrage gipfelte im Seminar in einem harten Rededuell.

Lohnt sich Fairness, oder braucht es im Alltag mehr Rücksichtslosigkeit? Die Stellungsnahmen blieben während der langen heftigen Diskussion kontrovers. Die meisten aus der Gruppe waren erstaunt über den einen Teilnehmer, der sich vehement für die kompromisslose Rücksichtslosigkeit im Kommunikationsverhalten starkmachte.

Die Einstellung des kämpferischen Teilnehmers basierte auf konkreten Anweisungen, die aus Büchern übernommen worden waren: Werde ein Biest! Setze alles auf eine Karte! Plane deine Karriere ohne Rücksicht auf das Gegenüber! Mach dich mit Intrigen vertraut! Schlag den Gegner kompromisslos aus dem Felde!

Dies sind nur einige der übernommenen Rezepte. Anstatt den Partner auch bei den härtesten Auseinandersetzungen stets ernst zu nehmen, wurden hartes Ellbogenverhalten und der rücksichtslose Kampf propagiert.

Meinung der neuen Reden-Berater-Redaktion: Die kompromisslosen Tipps wurden in den fragwürdigen Schriften von den Autoren nicht zur Veranschaulichung unfairer Taktiken veröffentlicht – beispielsweise, um die fiesen Tricks besser zu erkennen, zu entlarven oder fair parieren zu können.

Dies wäre akzeptabel gewesen. Nein, die Kommunikationslandschaft wurde in den Strategiepapieren bewusst als eigentliches Schlachtfeld genutzt – nur mit dem einen Ziel: sich selbst auf Kosten der Gegenseite durchzusetzen. Die Rechtfertigung dieses Verhaltens wurde damit begründet: Das Berufsleben sei auch hart, und jeder kämpfe letztlich auch rücksichtslos nur um seine eigene Haut.

Jeder vernünftig Denkende weiß jedoch: Die umstrittenen Schriften mit den bewussten Aufforderungen zur Unfairness gehören in die Ecke der „Kommunikationskiller-Literatur“ und sind alles andere als empfehlenswert. Deshalb verzichten wir auch an dieser Stelle auf einen entsprechenden Literaturhinweis.

Unglaublich, aber wahr: Wie man Kampfrhetorik lernt …

In einem Kampfrhetorikkurs mussten die Kursteilnehmer in einer Übung zuerst grobe Kraftausdrücke nennen. Der Leiter listete die Schimpfwörter am Flipchart auf.

Mit einer Zeitung bewaffnet, hatten nun alle hinter der eigenen Stuhllehne zu stehen und im Takt gemeinsam immer wieder die aufgelisteten Ausdrücke, Schimpfwort um Schimpfwort, zu rufen. Bei jedem Fluch mussten alle gleichzeitig mit der Zeitung heftig auf die Stuhllehne schlagen.

Der Seminarleiter heizte die Gruppe dermaßen an, dass am Schluss alle im Takt die grobschlächtigen Begriffe im Chor aus sich herausschrien. Immer wieder – immer lauter – immer schneller – Schimpfwort um Schimpfwort.

Die Begründung dieses Tuns wollte der Leiter den Anwesenden nicht verraten. Weil jemand den Zweck der Übung trotzdem wissen wollte – und zwar mit einer freundlichen Frage –, hieß es: „Bitte stellen Sie keine Fragen. Ich führe das Seminar durch. Sie stören.“

Ein Kommentar ist überflüssig. Jeder Fachmann, jede Fachfrau weiß, welche Schäden mit abgeänderten „Übungen“ aus der Psychotherapie ohne fachkundige Begleitung eines Therapeuten angerichtet werden können. Verzichten Sie deshalb möglichst auf solche fragwürdigen „Seminare“.
Beitrag veröffentlicht am: 25.11.2009
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